Von Eurofightern und Edelschrott

Über das Bundesheer wurde ja immer schon gewitzelt. Bundesheer-Witze sind wahrscheinlich genau so alt wie das Bundesheer selbst. Konnte man früher über Österreichs Landesverteidigung noch herzhaft lachen, so reicht der aktuelle Zustand des Heeres nicht mal mehr für einen Angriff auf die Lachmuskeln.

Langsam wirkt es nur mehr surreal, was da abgeht. Kasernenschließungen, Diskussionen über Blasmusikkapellen, Abfangjäger, deren Betrieb unleistbar scheint…

Österreich hat die schönsten Abfangjäger der Welt. Hören wir doch endlich auf zu raunzen. Sicher wäre es wesentlich günstiger gewesen, hätten sich Schüssel, Grasser und deren Gefolgsleute damals teure Luxusautos auf Staatskosten als Statussymbole gekauft. Man hätte diese Karossen zumindest am Ende ihrer Lebensdauer zum aktuellen Restwert verkaufen können. Beim Eurofighter scheint dies unmöglich.

Schön sind sie schon, die Eurofighter-Statussymbole. Ein klitzekleiner Nachteil ist sicherlich, dass die Flieger im laufenden Betrieb schweineteuer sind. Beim Bundesheer ist man da kreativ. Man senkt die Einsatzzeiten der Kampfflieger derart, dass sie de facto nur mehr zu Bürozeiten fliegen, sofern das Wetter gepflegten Sonnenschein zu bieten hat. Dass dieser Umstand auch noch breit via Medien verbreitet wird, begeistert den Österreicher, der ja ein Faible für Kabarett und Kleinkunst hat.

Unlängst sorgte die Nachricht über Herstellungsfehler bei den Kampfflugzeugen für unfreiwillige Heiterkeit. Fehlende Ausfräsungen „an Bohrlöchern am Hinterteil des Rumpfes“ verkürzen die Lebensdauer des Jets um zwei Drittel des ursprünglich geplanten Zeitraums. Sowas kann natürlich passieren. Wir alle haben schon mal Aufschnittwurst gekauft, die nach ein oder zwei Tagen übel gerochen hat. Muss man die eben früher entsorgen als geplant. Wenn man den Preis von 10 dag Extrawurst mit jenem von 10 dag Eurofighter vergleicht, sollte das eigentlich beim Eurofighter nicht passieren… wobei …Extrawurst kann ja nicht fliegen, zumindest nicht so laut, nicht so schnell und nicht so schön.

Die Alarmglocken hätten ja schon viel früher läuten müssen. Der Eurofighter-Deal hatte ja schon während des Beschaffungsvorgangs einen üblen Geruch. Dank des Verhandlungsgeschicks handelnder Personen hat die Republik die Flieger durch umfangreiche Kompensationsgeschäfte ja praktisch gratis bekommen.

Bei den wenigen Einsatzflügen der Eurofighter erweisen sich diese überraschend als durchaus robustes Fluggerät. Kürzlich hat ein solcher High-Tech-Kampfflieger über Innsbruck die Schallmauer durchbrochen. Der Flieger blieb dabei beinahe unbeschädigt. Lediglich eine Warnleuchte im Cockpit spielte verrückt, signalisierte dem Piloten einen Triebwerksbrand und zwang ihn so zu einer Notlandung in der Tiroler Landeshauptstadt. Da es sich um einen Fehlalarm handelte, wird wohl weiterhin ungeklärt bleiben, ob ein ziviles Feuerwehrfahrzeug überhaupt den Brand an einem militärischen Luftfahrzeug hätte löschen dürfen.

Resumierend darf man wohl sagen, dass es sich bei den Eurofightern mittlerweile um „Edelschrott“ handeln dürfte.

Apropos Edelschrott: Die Einwohner der steirischen Gemeinde Edelschrott könnten wohl die einzigen sein, die noch Profit aus dem aktuellen Zustand der Eurofighter schöpfen könnten. Man stelle sich vor, man würde an jeder Ortseinfahrt von Edelschrott einen ausrangierten Eurofighter positionieren. In Verbindung mit der Ortstafel würde dies ein lohnendes Fotomotiv bilden. Der Tagestourismus der 1500-Einwohner-Gemeinde könnte unvorstellbare Höhenflüge erzielen. Selbst Fototouristen aus Japan könnten den Weg in die Steiermark finden. Die Nähe zur A2-Südautobahn macht Edelschrott zur optimalen Ausflugsdestination für die Großräume Wien, Graz und Klagenfurt.

Also meine Damen und Herren: Edelschrott nach Edelschrott!

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