Von Rehen und Einläufen – Eine Aufarbeitung

Nach Maturareise und verspäteter Hochzeitsreise musste zum 10-jährigen Ehejubiläum wieder so eine Schiffsreise her. Kleiner Unterschied zu den bisher gemachten Erfahrungen: Diesmal sind erstmals eigene Kinder mit von der Partie und das finde ich schon mal sehr cool. Endlich mal weg von all dem Trubel und Zeit für die Familie. Die letzten Wochen waren aus beruflicher Sicht ohnehin fordernd genug. Meine Vorfreude ist groß.

Soweit alles vorbereitet, vorgearbeitet und vorbestellt. Die Reise beginnt an einem Sonntag. Der Kleine scheint frühmorgens zu fiebern. 37,9 Grad. Man kennt das ja. So schnell wie das Fieber kommt, ist es auch wieder weg, speziell beim Kleinen. Kurze Familienvorstandsbesprechung. OK, wir versuchen’s. Die Abfahrt gelingt uns um 06.20 Uhr.

Um 06.24 Uhr halten wir zum ersten Mal. Das Reh war auf der Stelle tot. Ich entschuldige mich beim Mutter-Reh, das ihr Junges verloren hat, aber es war unvermeidlich. Ein bisschen Zeit zu reagieren muss man mir schon lassen. Polizei, Jäger. Es sind alle recht flott für Sonntag Früh. Es waren auffallend viele Rehe in diesem Sommer unterwegs. Auf diesen 4 Kilometern bis zur Bundesstraße rechnet man ja immer damit.

Wir fahren weiter. Auf der Raststation Techelsberg macht es „Klick“, wir kriegen den moralischen Zusammenbruch. Hatte der Kleine nicht zwei Tage zuvor über Bauchi-Weh-Weh geklagt. Was sind wir denn für Rabeneltern? Heute Morgen hatte er Fieber! „Oida Fux, das ist sicher der Blinddarm“.

Villach hat ein Landeskrankenhaus. Google weiß die Adresse, das Navi rechnet. Wir kommen.

Im Gedanken winke ich dem Dampfer in Venedig bereits hinterher. So eine Blinddarmoperation dauert sicher länger als 20 Minuten und dann muss der Bub ja auch noch zugenäht werden… Aber immer noch besser der Junior wird in Österreich behandelt, als ein mir sprachunverständlicher Dr. Stefanos Aristoteles Karapoulopoulos schneidet den Kleinen in Katakalon mit einem rostigen Taschenfeitl auf einem Feldbett entzwei.

So ein gründlicher Check auf der Kinderstation dauert rund 75 Minuten, in Villach, mit Wartezeit. Mit Blut-Check, Urin und Ultraschall und so.

Verstopfung. Den heilbringenden Einlauf zahlt die Krankenkassa. Dafür muss man aber die Windeln selbst wechseln und den Kinderpopo selbst… Der Leser bzw. die Leserin weiß bescheid… (Der Autor verzichtet hier aus Gründen der Pietät auf Details).

Der behandelnde Arzt meint, das wäre es jetzt gewesen, bestellt uns aber für den nächsten Tag zur Kontrolle wieder. Wir fragen ihn, ob er vielleicht nach Bari nachkommen könne, da wären wir dann nämlich, wenn er meint, dass der Bub nach dem Einlauf wieder fit wäre.

Doc Hollywood meint, der Bub solle viel trinken (vermutlich weil er so viel Tränenflüssigkeit abgegeben hat), der Blinddarm wäre es sicher nicht gewesen und erteilt die Freigabe zur Weiterfahrt.

Wir verlassen Villach nach zweistündigem Aufenthalt gegen Mittag. Bemerkenswert viele Ampeln in dieser Stadt. Da hätte Haider zu Lebzeiten was tun müssen.

Unsere Reise setzt sich fort. Der Bub hat den Tunnelblick. Im Kanaltal jubelt er schon von weitem jedem Tunnel zu. Er freut sich über jeden Tunnel den wir durchfahren. Sein Vater handelte auch derart, in Kindertagen.

Wer jetzt noch auf große Wendungen in dieser Geschichte wartet, der sei an dieser Stelle enttäuscht. Wir haben den Kahn rechtzeitig erreicht, sind eine Woche umhergeschippert und haben es uns gut gehen lassen.

Die Widrigkeiten der Anreise sind mit diesem Text endgültig verarbeitet. Der Bub hatte an diesem Tag seinen ersten Einlauf, ich hatte meinen ersten Wildunfall.

Das Leben ist spannend. Kinder machen es noch spannender. Ich danke für diese Erfahrungen.

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