Das ist keine Geschichte über Sport

Ich war mal eine ziemliche Sportskanone. Skilanglauf. Auf den Hügeln im Grenzland zwischen NÖ und der Steiermark aufgewachsen entdeckte ich im Alter von 6 Jahren den Diagonalschritt für mich. Mein Vater förderte dies. Er war kein Eislaufvater, aber doch Enthusiast genug, um einen kleinen Verein zu gründen. Wir waren immer so 8 – 10 Kinder, später Jugendliche, und im Winter jedes Wochenende unterwegs. Erste Rennen, Erfolge stellten sich ein. Wir waren Exoten als Langläufer, oft von Schulkollegen belächelt. Meine Freunde und ich sammelten Pokale, gelegentlich gab es schulfreie Samstage, wenn Rennen an diesem ungeliebten (damals noch ganz normalem) Schultag angesetzt waren. Es war eine wunderbare Zeit.

Erfolge bei Rennen, Aufnahme in den Landeskader, Reisen durch ganz Österreich. Ein lässige Zeit, viele Erfahrungen, manchmal lehrreiche Niederlagen aber immer stand der Spaß im Vordergrund. In der Schule machte man was nötig war.

Ich erinnere mich an die Revolution die der Siitonen Schritt auslöste, die Diskussionen, wie schädlich er und später der Skatingstil für die Gelenke und Bänder von uns Halbwüchsigen sei. Lustig.

Einige „Konkurrenten“ (so nannte ich sportliche Gegner, die in meiner Altersklasse liefen und eher Bekannte als Freunde waren) entschieden sich die Sache ernsthafter anzugehen und gingen mit zarten 15 Jahren in sportliche Ausbildungszentren, derer es ja mehrere in Österreich gibt. Ich wollte das nicht. Ich wollte langlaufen. Ich wollte nicht Olympiasieger werden. Ich wollte nah bei meiner Familie sein.

Man traf bei Trainingskursen des Landeskaders regelmäßig mit den gleichaltrigen Absolventen der Ausbildungszentren zusammen. Es stellte sich heraus, dass man jetzt chancenlos war, trainierten die doch meist zweimal am Tag, ich machte 3 – 4 mal pro Woche Sport. Egal, ich war zufrieden, wenn sich mein Rückstand in bescheidenen Grenzen hielt. Ich hatte trotzdem Spaß.

Ich blieb dem Sport treu. Anfang Zwanzig übernahm ich die Vereinsführung von meinem Vater, veranstaltete gemeinsam mit Freunden Kurse für Kinder, betreute eine kleine Gruppe 12- bis 16-jähriger bei Rennen.

2005 verstarb mein Vater. Zu früh. Mit ihm hatte ich so viele schöne Stunden in diesem Sport verbracht. Tausende Kilometer hatten wir zusammen im Auto zurückgelegt, unterwegs zu irgendeiner Loipe irgendwo in Österreich. Ich rührte die Latten nicht mehr an.

Beruf, Familie und Eigenheim rückten in den Vordergrund. Zwischen 2005 und 2013 stand ich nicht auf Skiern. Mir fehlte nichts.

In diesem Winter hat ein kleiner Mensch meine Leidenschaft für den Langlaufsport wiedererweckt. Die Erstgeborene. Mit ihr habe ich vor einigen Wochen erste Schritte ausprobiert. Sie hat Spaß daran gefunden, ich habe wieder Spaß daran gefunden. Den größten Spaß hat sie wenn sie stürzt.

Dies ist keine Geschichte über Sport. Dies ist eine Geschichte über Beziehungen und was geliebte Menschen in dir bewegen können.

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2 Gedanken zu „Das ist keine Geschichte über Sport

  1. elisabeth simion

    ich wünsche dir und deiner familie noch viel weitere schöne erlebnisse.es war berührend, das zu lesen, so sollte es sein.

    Antwort

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