Die schwarzen Pisten

Gegen den Landeshauptmann des Burgenlands besteht der Verdacht, 10.000 Euro in einem Geldkuvert von einem Industriellen erhalten zu haben. Man will ja nichts Böses vermuten, der Vorwurf der Korruption liegt jedoch nahe.

Die Tatsache, dass immer wieder derart fragwürdige Geldübergaben bekannt werden und Österreich ganz und gar nicht als korruptionsfrei zu bezeichnen ist, lässt mich viel nachdenken. Dabei habe ich eine Interessante Querverbindung zum in Österreich sehr beliebten Skisport entdeckt.

Die Skipisten in Österreich werden nach Schwierigkeitsgraden klassifiziert und farblich gekennzeichnet. Die schwierigsten Pisten werden als ’schwarze‘ Pisten bezeichnet. ‚Rote‘ Pisten stellen durchschnittliche Anforderungen an den Skiläufer, ‚blaue‘ Pisten gelten als leicht.

Nun, wie kam es (vielleicht) zu diesen Farbzuteilungen?

Die FPÖ, landesweit als „die Blauen“ bezeichnet, spielten bisher in der Geschichte der 2. Republik im Vergleich zu SPÖ und ÖVP eine untergeordnete Rolle. Sie hatten bislang nur wenige Jahre Regierungsbeteiligung und waren somit nur selten in große Korruptionsfälle verwickelt. Da die FPÖ dadurch nur wenige Geldkuverts in Empfang zu nehmen hatte, wies man ihr die Pisten zu, auf denen sich die meisten Menschen bewegten, also die einfachsten. Wir wissen: blau = leicht, ergo viele potentielle Zeugen der Übergabe. macht aber nix, da generell wenige Geldkuverts im Umlauf. Zumindest bis vor Hypo Alpe Adria.

Die SPÖ, bekannt als „die Roten“, rekrutiert ihre Stammwähler und Funktionäre aus den Arbeiterschichten, die oftmals in großen Städten oder in Stadtnähe beheimatet sind. Die SP hat jahrzehntelange Regierungserfahrung und in Sachen Korruption schon so manchen großen Bock abgeschossen, obwohl die Jagd ja eigentlich Metier der VP ist. Egal. Die Funktionäre der SPÖ sind aus Tradition durchschnittlich gute Skiläufer und so kann man sie durchaus auch in steiler Hänge schicken, um Geldkuverts auf der Piste in Empfang zu nehmen. Ihnen wies man also die anspruchsvolleren Pisten zu und nannte diese Abfahrten rote Pisten. Durch die höheren Anforderungen herrscht auf diesen Pisten weniger Publikumsverkehr, potentielle Zeugen einer Kuvertübergabe sind somit überschaubar.

Die „schwarze“ ÖVP hat ihre starke Basis in der Landbevölkerung, allesamt ausgezeichnete Skiläufer, oftmals sogar Liftbetreiber unter ihnen. Sie fahren in die steilsten Hänge als wären Physik und Erdanziehungskraft ausgeschaltet. Was Korruption anbelangt, gibt es in der VP einige schwarze Schafe (komisch, dass die zufällig ’schwarze‘ Schafe heißen). Zumindest behauptet man das. Für den Politikkonsumenten sind es ja gefühlte Schwarze Schafherden, zumindest nach den Berichten der letzten Jahre. Wurscht. Diese tollen VP-Skiläufer waren jedenfalls schon immer in der Lage, die dicksten Geldkuverts in den steilsten Skiabfahrten in Empfang zu nehmen, geschützt von den neugierigen Blicken derer, die schon auf der blauen Piste stürzen oder von der roten Piste mit dem Heli abtransportiert werden. Man einigte sich also darauf, die steilsten Schneise als ’schwarze‘ Pisten zu bezeichnen.

Die Schlimmsten sind jedoch die Free Skier. Die treten Lawinen los.

In diesem Sinne: Es lebe der Skilanglauf und der Biathlon!

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