Fahr‘ nicht fort, kauf im Ort!

Über Nacht hatte es 20 Zentimeter Neuschnee aufgelegt. Die neugierigen Kunden schleppten Unmengen von Schnee in den kleinen Laden. Alle 10 Minuten ging eine Qmitarbeiterin mit dem Wischmop und versuchte den Boden wieder einigermaßen trocken und sauber zu bekommen, aber wir hatten es geschafft: Der Laden lief. Pünktlich um 9 Uhr kam auch eine Mitarbeiterin des Finanzamts und kontrollierte, ob in dem kleinen Laden im Dorf alles mit rechten Dingen zuging. Es war der 3. April 2013. Fünf Jahre sind seither vergangen.

Ein Monat zuvor sah die Lage ganz anders aus, und zwar alle andere als rosig. Der Betreiber des kleinen Nahversorgergeschäfts in unserem Dorf informierte den Bürgermeister, dass er den kleinen Laden mit Ende März schließen werde, weil er zu wenig Profit abwirft. Der Bürgermeister war gefordert eine Lösung zu finden. Rasch!

Am 12. März fand eine Informationsveranstaltung statt, bei der die Dorfbevölkerung befragt wurde, ob weiterhin Bedarf an einem Nahversorgungsgeschäft bestünde und ob eine Weiterführung durch einen gemeinnützigen Verein denkbar wäre. Beide Fragen wurden mit breiter Unterstützung mit „Ja“ beantwortet. 

Zehn Tage später fand die Gründungssitzung der „Vereins zum Erhalt der Nahversorgung“ statt. Der Bürgermeister hatte 6 Personen für einen Vereinsvorstand zusammengetrommelt. Dass er mich zum Obmann des Vereins auserwählen würde, war mir klar. Ich war der einzige im 350-Seelen-Dorf, der Erfahrung als Selbständiger im Handel vorweisen konnte. Ich betrieb dazumals drei Tankstellen mit Shop. Arschkarte zum Quadrat. Ich bekam aktuelle Umsatzdaten und Kostenaufstellungen und rechnete. Ja, es könnte sich ausgehen. Knapp, aber zumindest eine schwarze Null sollte zu erzielen sein. 

Nach der Gründungsversammlung blieben zehn Tage um die Geschichte hochzufahren: Gewerbeanmeldung, Steuernummer, Bankgespräche, Helfer organisieren, Ware bestellen, Eröffnung organisieren. Vertrauen der Vereinsmitglieder gewinnen.

Vertrauen der Vereinsmitglieder gewinnen? Klar. Irgendwoher mussten wir ja noch ca. 20.000 Euro auftreiben, um die Erstausstattung des Geschäfts mit Ware finanzieren zu können. Wir verkauften sogenannte Bausteine im Werte von jeweils 100 Euro an Mitglieder und Interessierte, die in drei Jahresraten an die Investoren zurückgezahlt wurden, aus heutiger Sicht mit Erfolg.

Das Personal des Vorbetreibers blieb uns zum Glück erhalten. Das war der Schlüssel zum Erfolg. Die zwei Damen hatten das Tagesgeschäft und Bestellwesen gut im Griff. Die Einschulung neuer Mitarbeiterinnen wäre mir neben meinen eigenen Filialen unmöglich gewesen. Die beiden Damen sind heute noch in unserem Team und werden mittlerweile von einer dritten Mitarbeiterin unterstützt.

Wie bereits zuvor erwähnt, wohnen nur rund dreihundertfünfzig Menschen in unserem Dorf. Es gibt jedoch ein Reha-Zentrum der Pensionsversicherung, ein Klinikum des Landes NÖ und ein Sanatorium für sehbehinderte Menschen im Ort. Eine intakte Nahversorgung ist also nicht nur für die Dorfbewohner, sondern auch für Patienten und Mitarbeiter dieser drei Gesundheitseinrichtungen von großer Bedeutung. In meiner Kindheit gab es in unserem Dorf noch sechs Gasthäuser, heute sind es nur noch zwei. Es wäre ein großer Verlust für die Dorfgemeinschaft gewesen, hätten wir den Verein nicht auf die Beine gestellt und nicht zumindest die Grundversorgung für Bewohner und Kurgäste im Dorf gesichert. Zumindest zwölf Kilometer Autofahrt über eine steile und enge Bergstraße wären die Alternative gewesen. Für ältere, größtenteils alleinstehende Dorfbewohner, oftmals auch ohne eigenes Fahrzeug, hätte dies zu einer Erschwernis des täglichen Lebens geführt. Die Gesundheitseinrichtungen hätten an Attraktivität verloren. Die Entscheidung, den Laden über einen Verein weiterzuführen, war also sicher richtig. 

In den vergangenen fünf Jahren gelang es uns auch immer, kleine Überschüsse zu erzielen, die zum einen in die Rückzahlung der „Bausteine“, zum anderen in die Verbesserung der Geschäftsinfrastruktur investiert wurden. Die Mitarbeiterinnen werden branchenüblich entlohnt. Der Vereinsvorstand und ich als gewerberechtlicher Gesellschafter arbeiten unentgeltlich. 

Unsere Dienstleistungen werden anteilsmäßig stärker von älteren Menschen in Anspruch genommen. Oftmals ohne Auto, kauft diese Bevölkerungsgruppe beinahe 100 % ihres Bedarfs an Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs in unserem Laden ein. Leider müssen wir uns jedes Jahr für immer von einigen unserer älteren Stammkunden verabschieden. Ihr Ableben hat, man verzeihe mir in diesem Zusammenhang die betriebswirtschaftliche Betrachtungsweise, deuchtlich messbare Auswirkungen auf die Umsatzerlöse. Wir wirken dieser Entwicklung mittels Kooperationen mit den ortsansässigen Gesundheitseinrichtungen entgegen.

Ich schreibe diesen Text anlässlich des fünfjährigen Bestandsjubiläums unseres vereinsgeführten Nahversorgungsgeschäfts. Niemand hätte 2013 gedacht, dass dieses Projekt so erfolgreich sein würde. Ich bin voller Zuversicht, dass es diesen kleinen Laden auch in fünf Jahren noch geben wird. Allen, die in kleinen ländlichen Gemeinden leben, in denen es den kleinen Kaufmannsladen immer noch gibt, kann ich nur den alten, wohlbekannten Slogan ans Herz legen: „Fahr nicht fort, kauf‘ im Ort.“  Es sichert Arbeitsplätze, sichert den Erhalt von Dorfinfrastruktur und schont zudem auch die Umwelt.

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Los!

„Wutbürger“ Roland Düringer will mit seiner politischen Bewegung (wie heißt sie nochmal?) bei der Nationalratswahl antreten. Anders als es der Name seiner Puls 4 Talk-Show vermuten ließe, vertraut er bei der Listenerstellung nicht auf „gültige Stimmen“, nein, Roland Düringer will das Los über die Reihung der Kandidaten auf seiner Liste entscheiden lassen. Ob man dies als demokratisch oder als „Schnapsidee“ bezeichnen will, bleibt jedem selbst überlassen. Eine Kandidatur auf Glückspielbasis wirkt eher plan-Los, hilf-Los, respekt-Los, vernunft- und visionslos.

Gar nicht visionslos erscheint Peter Pilz in diesen Tagen. Er betreibt ein Katz- und Mausspiel mit Journalisten und (Ex-?) ParteifreundInnen ob er bei der Nationalratswahl im Herbst mit einer eigenen grünen Filiale antreten wird. Seinen Austritt aus dem Parlamentsklub der Grünen hat er medienwirksam auf den Treppen vor dem Parlament verkündet. Bei dieser Gelegenheit hat er die anwesenden Mikrofone dazu genützt einen mehr oder weniger unverhohlenen Spendenaufruf loszulassen. Seine Kandidatur scheitere de facto nur am Geld.

Hier kommt nun Norbert Darabos ins Spiel, der just am selben Tag in einem Radio-Interview andeutet, Peter Pilz unter anderem wegen übler Nachrede und Kreditschädigung klagen zu wollen. Dass sich ein schlauer Fuchs wie Pilz eine solche Chance entgehen lässt, darf bezweifelt werden. Peter Pilz wird sich vom Ex-Verteidigungsminister vor Gericht zerren lassen. Bei diesem Pilzgericht (die Namenswitzhölle ist dem Autor gewiss)  wird sich der Grüne Revoluzzer nicht händeringend, sondern händereibend einem Vergleich unterwerfen. Jeder weiß, wer sich mit Darabos auf einen Vergleich einigt, steht am Ende als eigentlicher Sieger da. Vielleicht erweist sich dies als Pilz‘ Glückslos, der Hauptgewinn, mit dem er seinen Wahlkampf finanzieren kann?

Das große Los gezogen hat auch der französische Staatspräsident Macron, der vor Kurzem am Vormittag Angela Merkel und am Nachmittag seinen US-Amtskollegen Donald Trump zu Besuch in Paris hatte. Die Bilder von Macron mit den Führern der westlichen Welt gingen um den Globus. Am selben Abend gingen die Macrons mit den Trumps fein essen. Gerüchten zufolge soll Frau Macron nur wenig Appetit gehabt haben. Nachdem ihr Trump bei ihrem ersten Zusammentreffen recht salopp sagte, dass sie für ihr Alter eh noch recht gut aussehe, soll die französische „First Lady“ schon vor dem gemeinsamen Abendessen am Eiffelturm „angespeist“ gewesen sein. Trump hingegen war von dem Besuch an der Seine schwer beeindruckt. Dass die Franzosen ihre Hauptstadt nach Hotelerbin Paris Hilton benannten, wie Macron ihm laut Gerüchten scherzhaft erzählte, hat den US-Milliardär besonders gut gefallen. Mit Trump haben die Amerikaner tatsächlich das große Los gezogen.

 

Dream Stronach

Frank Stronach hatte einen Traum. Er wachte eines Morgens auf und meinte, mit einer eigenen Partei das Land verändern zu können. Einige Monate und 13 verpulverte Wahlkampfmillionen später, saß er mit 10 Strohmännern und -frauen an seiner Seite im Parlament, aber nicht wie erhofft auf der Regierungsbank, sondern im Plenum.

Unorthodoxe Fernsehauftritte und Wortspenden a la „Todesstrafe für Berufskiller“ sorgten in der Bevölkerung für Kopfschütteln bis an die Grenzen des Peitschenschlagsyndroms. Monatelange Aufenthalte in Kanada erweckten den Eindruck, Stronach läge wohl doch nicht so viel am Wohle des Landes. War Österreich am Ende gar nur Frank Stronachs „Wahl-Heimat“?
Der Haken an Frank Stronachs Traum: Sein Name war Programm, wortwörtlich und ausschließlich. Mehr als Besserwisserei und Verhaltensauffälligkeiten wurden in der politischen Tagesarbeit nicht geboten. Und weil mit einem prominenten Namen allein noch lange keine Politik und schon gar kein Staat zu machen ist, entwickelte sich Onkel Franks Traum langsam zum Alptraum.Der Eingang zum Team-Stronach-Parlamentsklub glich einer Drehtür, durch die politische Leichtgewichte eintraten, viel öfter jedoch wieder hinausgingen. Zu guter Letzt sprang der Kapitän selbst, im Stile eines Francesco Schettino, vom sinkenden Schiff.

Das Team Stronach wird bei der kommenden Nationalratswahl nicht mehr antreten. Der Parteigründer gibt weder seinen Namen noch sein Geld für einen weiteren, zum Scheitern verurteilten Wahlkampf her. Die Umfragewerte des Team Stronach liegen unterhalb der Wahrnemungsgrenze. Der Traum ist ausgeträumt. Wie predigte „Frank“ so oft: „Das Wichtigste sind die Werte“. Die Werte sind längst begraben.

Zwischenbestzeit im Reformslalom

Die Regierung hat sich in den letzten Tagen auf Bildungsreform, Primärversorgung und Beschäftigungsbonus geeinigt. Eine solche Anhäufung von Kompromissen in so kurzer Zeit ist unter Rot-Schwarz durchaus bemerkenswert. Selbst im Vatikan wird man diese Tempoverschärfung mit großer Aufmerksamkeit vernommen haben. Gerüchte besagen, der Heilige Stuhl wolle eine Kommission in die Alpenrepublik entsenden, um die Vorgänge auf das Vorliegen eines wahrhaftigen Wunders zu untersuchen. 
Skeptiker kommentieren die Beschlußfreudigkeit der Koalition, wenige Wochen vor der vorgezogenen Neuwahl mit dem Sprichwort „am Abend wird der Faule fleißig“. Vielleicht hat das blinde Regierungshuhn in einer Aneinanderreihung glücklicher Zufälle auch nur drei Körner auf einmal entdeckt? Möglicherweise haben die Schwachwind-Seegler von Rot und Schwarz eine kräftige Brise ins Segel bekommen und segeln nun bis 15. Oktober auf Erfolgskurs? Oder die Damen und Herren Parlamentarier wollen die Sommerferien einfach nicht am Verhandlungstisch verbringen sondern die freie Zeit vor dem Wahlkampf für Erholung nutzen?
Sei es wie sei. Mit Serien-Bestzeiten im Reformslalom ist in nächster Zeit trotzdem nicht zu rechnen. Zu groß ist die Freude, wenn der Koalitionspartner kurz vor dem Ziel im Forderungs-Zick-Zack einfädelt und actionreich zu Fall kommt. Sowohl Rot als auch Schwarz denken nur ans nächste Rennen, nicht an den Gesamtweltcup.

Österreich : Chile

Meine früheste Fernseherinnerung ist das Spiel Österreich gegen Chile bei der WM 1982 in Spanien. Mehr als dieses Spiel selbst, prägte mich ein Geschichte, die unmittelbar vor diesem Match ihren Ausgang nahm.

Mein Vater unternahm kurz vor Beginn dieses Spieles mit mir einen Spaziergang in einem nahegelegenen Wald, in dem wenige Tage zuvor das Bundesheer eine Übung abhielt. Ich vermute es war blanke Neugier, die meinen Vater damals dazu bewog, mit mir diesen kleinen Ausflug zu absolvieren. Bestimmt wollte er erkunden, welche Spuren die Soldaten im Wald hinterlassen hatten. Leider besteht heute nicht mehr die Möglichkeit, ihn nach seinen damaligen Beweggründen zu fragen.

Irgendwann stießen wir während dieses Spazierganges auf blaue Plastikstifte, die am Waldboden lagen. Mein Vater erklärte mir, es handle sich um „Platzpatronen“, die bei der Bundesheerübung einfach weggeschmissen wurden. Umweltbewusstsein war in den frühen 80ern noch nich so bekannt.

Ich steckte einiger dieser harmlosen, bereits abgeschossenen Platzpatronen ein. Ich weiß nicht mehr, ob ich dies heimlich tat, oder ob mein Vater dies bemerkte. Wir kehrten nach diesem Spaziergang nach Hause zurück, einige Bekannte kamen zu Besuch und alle feuerten Österreich im Spiel gegen Chile an.

Tags darauf schickte mich mein Vater in die Dorftrafik, um eine Packung „Arktis“ für ihn zu holen. Wer heute einen Achtjährigen zum Zigaretten holen alleine in die Trafik schickt, dem wird die Obsorge für das Kind entzogen. 1982 war dies noch ok, zumindest bei uns im Dorf.

Stolz präsentierte ich dem Trafikanten K. , einem Mann um die 60, meine Beute des Vortags: Eine handvoll Platzpatronen. K. reagierte unentspannt und meinte, „wegen solcher Patronen kann ein Krieg ausbrechen.“ Nun liegt es wohl in der Natur eines Achtjährigen, nicht unbedingt eine kriegerische Auseinandersetzung auslösen zu wollen. An so einem Vorhaben sind schon Menschen mit wesentlich mehr Lebenserfahrung gescheitert. Ich tat das, was man im Volksschulalter eben so tut, wenn man das Schicksal der Menschheit in Händen hält: Ich schiss mir vor Angst fast in die Hosen. (Mein „Dank“ ergeht an dieser Stelle posthum an Herrn Tabakrat K. , seines Zeichens Dorftrafikant und Kindereinschüchterer der Herzen)

Ich lieferte die Pakung „Arktis“ brav zu Hause ab, lief dann eingeschüchtert zu einem großen Erdhaufen, der im Zuge von Bauarbeiten im Dorf aufgeschüttet wurde und versteckte sämtliches belastendes Material, indem ich die blauen Knallpatronen mit bloßen Händen in den Erdhaufen drückte und zusätzlich noch Erde über das „Kriegsmaterial“ schüttete.

Das Beweismaterial war ich also los, nicht aber die Furcht und schlechtes Gewissen, weil meinetwegen die Welt knapp vor dem Abgrund stand. Ich meine nicht zu übertreiben, wenn ich berichte, dass ich noch Monate nach dieser angsteinflößenden Begegnung mit Dorftrafikat K. abends nur einschlafen konnte, wenn ich in meinem Bett mit dem Gesicht in Blickrichtung Osten lag. In Richtung Westen befand sich ca. hundert Meter von unserem Haus entfernt dieser Erdhaufen, in dem ich die Platzpatronen verbuddelte. Um einschlafen zu können musste ich mich von diesen Munitionsteilen abwenden, wendete ich mich dem Erdhaufen zu, überkam mich ein beklemmendes Gefühl von Angst. Heute würde man meine damalige Reaktion wohl mit dem Begriff „Trauma“ begründen.

Heute ist der Erdhaufen längst weg, die K-Munition wohl verrottet. Krieg und Gewalt herrschen dennoch in vielen Teilen der Welt und ich frage mich: Wieviele Idioten haben ihre Platzpatronen damals NICHT eingebuddelt?

Eines noch: Österreich schlug Chile durch einen Treffer von Schoko Schachner mit 1:0.

Elefanten im Porzellanladen

Donald Trump wird also der nächste Präsident der Vereinigten Staaten sein. Sein Wahlkampf glich einer Hochschaubahn der Geschmacklosigkeiten. Versprochen wurde Absurdes, Kurioses und Unmögliches, während Frauen, Zuwanderer, Muslime, Schwule, Gegenkandidatin Hillary Clinton und sogar Präsident Obama beschimpft und beleidigt wurden. (Nur der Vollständigkeit halber ist anzumerken, die vorangegangene Aufzählung ist unvollständig.) Wie ein Elefant „trumpelte“ der Milliardär Donald durch den Porzellanladen der guten Manieren und politischen Korrektheit und hinterließ einen Scherbenhaufen aus Hass und Zwietracht, auf den er nun das Fundament für seine Präsidentschaft stellen muss. Für Political Correctness, für Mäßigung und Besonnenheit habe er, wie er mehrmals betonte, keine Zeit.
Keine oder nur sehr wenig Zeit bleibt der Koalition aus SPÖ und ÖVP um die Bevölkerung noch von der Sinnhaftigkeit ihrer Zweckgemeinschaft zu überzeugen. Bei den Themen Bildung, Flüchtlingspolitik, CETA und der elendslangen Diskussion um die Mindestsicherung wurde zwischen den Parteien viel Porzellan zerschlagen. Kann man im Falle Trumps von der Einzeltätertheorie ausgehen, so handelt es sich im Falle der Regierungskoalition um eine ganze Herde von Elefanten, die da versucht jedes kostbare Stück im österreichischen Politik-Porzellanladen klein zu kriegen. Nun behauptet ein bekanntes Sprichwort, Scherben würden Glück bringen. Im Umfeld des Trump-Scherbenhaufens ist weit und breit noch kein glücklicher Gewinner auszumachen. Bei uns kreist ein blauer Zahntechniker um den rotschwarzen Porzellanhaufen. Er sucht nach den schönsten Bruchstücken und baut sich daraus ein Gebiss für sein glückliches Siegerlächeln bei den kommenden Wahlen. 

Ungeheuer Chef

Eine junge Dame, ich schätze Ende Zwanzig, war heute bei mir im Geschäft um einen Einkauf zu tätigen. Niemals zuvor habe ich sie gesehen. Nachdem sie die Rechnung beglichen hatte, kramte sie in ihrer Geldbörse herum und legte 13 Cent in 1- und 2-Cent Münzen auf den Zahlteller.

„Das ist für Sie, weil die Kupfermünzen brauche ich nicht.“ Die 13 Cent landen, wie jeder Cent, den die Kindesmutter oder ich an Trinkgeld erhalten in den Sparbüchsen unserer Kinder. Bei dem Satz „aber nichts davon dem Chef geben, dem schenken wir nichts“, war ich jedoch mit meiner Schlagfertigkeit am Ende. Sollte ich der jungen Dame die dreizehn Cent mit dem Hinweis ich sei der Chef retourgeben? Schweigen? Nachfragen, warum man dem Chef nichts schenken könne? Ich dankte höflich und wünschte der Kundin noch einen schönen Tag, alles andere hätte nur zu Komplikationen geführt.

Ja, liebe Leute, es gibt auch Chefs die aktiv mitarbeiten, im Geschäft anwesend sind, mit Kunden sprechen und aus eigener Erfahrung wissen, was ihre Mitarbeiter leisten. Viele Chefs sind Menschen wie du und ich. Die meisten Chefs sind keine Ungeheuer. Ich gehe jetzt die Sparbüchsen der Kinder befüllen…